{"id":4468,"date":"2007-10-01T00:00:00","date_gmt":"2007-10-01T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/snoopplanet.de\/?p=4468"},"modified":"2007-10-01T00:00:00","modified_gmt":"2007-10-01T00:00:00","slug":"buchbesprechung-michael-muschalle-studien-zur-anthroposophie-bd-1-beobachtung-des-denkens-bei-rudolf-steiner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/naturundgeist.de\/?p=4468","title":{"rendered":"Buchbesprechung    Michael Muschalle: Studien zur Anthroposophie Bd. 1. Beobachtung des Denkens bei Rudolf Steiner"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\"><font size=\"3\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><font face=\"Verdana\">Buchbesprechung<\/font><\/span><\/font><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><font size=\"3\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><font face=\"Verdana\">(ver\u00f6ffentlicht in &#8222;Das Goetheanum&#8220; Nr. 10, 2008 &#8222;Das Denken erfahren &#8211; beobachten&#8220;)<br \/><\/font><\/span><\/font><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><font size=\"3\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><font face=\"Verdana\"><br \/><\/font><\/span><\/font><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><font size=\"3\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><font face=\"Verdana\">Michael Muschalle: <a href=\"http:\/\/www.studienzuranthroposophie.de\/Buch.html\">Studien zur Anthroposophie<\/a> Bd. 1. Beobachtung des Denkens bei Rudolf Steiner, Books on Demand GmbH, Norderstedt 2007&nbsp;&nbsp; <\/font><\/span><\/font><\/p>\n<p><font size=\"3\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><o_p><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><font size=\"3\" face=\"Verdana\"><span style=\"font-size: 12pt;\">Michael Muschalle hat einen Teil seiner online ver\u00f6ffentlichten Studien zur Anthroposophie (1) unter dem Thema \u201eBeobachtung des Denkens bei Rudolf Steiner\u201c als Buch zusammengestellt. Schon seine Dissertation von 1989 (2) ist diesem Thema gewidmet. Der Begriff<span style=\"\">&nbsp; <\/span>\u201eBeobachtung des Denkens\u201c ist ein zentraler Begriff<span style=\"\">&nbsp; <\/span>der Geisteswissenschaft Rudolf Steiners. Die allerwichtigste Beobachtung, die der Mensch machen kann, ist f\u00fcr Steiner die Beobachtung des Denkens (3). Sie ist bedeutend f\u00fcr ein Verst\u00e4ndnis der Wesenheit des Geistigen, die in dieser Gestalt uns zun\u00e4chst entgegentritt.<span style=\"\">&nbsp; <\/span>Sie ist Fundament f\u00fcr jede Erkenntnis, egal ob sinnlich, seelisch oder geistig und auch f\u00fcr jedes am Freiheitsprinzip orientierte Handeln. Leider ist bis heute dieser so entscheidende Begriff weitgehend unverstanden geblieben (4). Es ist das gro\u00dfe Verdienst Muschalles, diesen Begriff erstmals zur Klarheit gebracht zu haben:<\/span><\/font><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><font size=\"3\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><\/span><\/font><font size=\"3\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><font face=\"Verdana\">Das dritte Kapitel der Philosophie der Freiheit l\u00e4sst eine Unsicherheit dar\u00fcber aufkommen, ob das Denken beobachtbar ist oder nicht. Zur Kl\u00e4rung dieser Frage ist zu unterscheiden zwischen der Beobachtung des aktualen (gegenw\u00e4rtigen) Denkens und der Beobachtung des Denkens. Die aktuale Beobachtung des Denkens ist nicht m\u00f6glich, Steiner f\u00fchrt in diesem Zusammenhang ein zweifaches \u201enie\u201c an, deutlicher geht es nicht zu sagen. Die Beobachtung des Denkens hingegen ist m\u00f6glich und f\u00fcr jeden zu haben, der guten Willens ist. Warum ist die Beobachtung des aktualen Denkens nicht m\u00f6glich? Steiner f\u00fchrt daf\u00fcr zwei Gr\u00fcnde an, die beide ihre Wurzel darin haben, dass wir das Denken selbst hervorbringen: <o_p><\/o_p><\/font><\/span><\/font><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><font size=\"3\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><font face=\"Verdana\">1. Es muss als Sachverhalt erst einmal vorliegen, damit es beobachtet werden kann (Gegebenheitsargument). <o_p><\/o_p><\/font><\/span><\/font><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><font size=\"3\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><font face=\"Verdana\">2. Es w\u00e4re nur dann aktual beobachtbar, wenn ich mich spalten k\u00f6nnte in eine Person, die denkt und eine andere, die sich selbst dabei zusieht. Das kann ich aber nicht (Spaltungsargument).<o_p><\/o_p><\/font><\/span><\/font><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><font size=\"3\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><font face=\"Verdana\">Das erste Argument gilt f\u00fcr jeden empirischen Sachverhalt, f\u00fcr jede Art von Gegebensein, auch f\u00fcr das Selbstgegebene, damit es beobachtbar ist, muss es auch vorliegen. Um das Spaltungsargument nachvollziehen zu k\u00f6nnen, muss man den Versuch machen, \u00fcber etwas zu denken, etwa \u00fcber einen Tisch und gleichzeitig das Denken \u00fcber den Tisch in den Blick zu bekommen. Man stellt fest, dass das nicht geht, weil das Denken dann eine andere Richtung nimmt und das Denken \u00fcber den Tisch unterbrochen wird. Wir haben soeben eine Erkenntnis \u00fcber das Denken gewonnen, indem wir eine vergangene Denkerfahrung begrifflich durchdrungen haben, n\u00e4mlich die Erfahrung, dass unser Denken \u00fcber etwas verschwindet, wenn wir es aktual betrachten wollen. Diese Art von Erkenntnis, das Durchdringen von in der Erinnerung vorliegenden Denkerfahrungen, Denkerlebnissen mit Begriffen, die denkende Betrachtung von Denkerfahrungen<span style=\"\">&nbsp; <\/span>ist nichts anderes als Beobachtung des Denkens im Sinne Steiners:<o_p><\/o_p><\/font><\/span><\/font><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><font size=\"3\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><font face=\"Verdana\">\u201eIch kann mein gegenw\u00e4rtiges Denken <b style=\"\"><span style=\"font-weight: bold;\">nie<\/span><\/b> beobachten; sondern nur die Erfahrungen, die ich \u00fcber meinen Denkproze\u00df gemacht habe, kann ich <b style=\"\"><span style=\"font-weight: bold;\">nachher<\/span><\/b> zum Objekt des Denkens machen. Ich m\u00fcsste mich in zwei Pers\u00f6nlichkeiten spalten: in eine, die denkt, und in die andere, welche sich bei diesem Denken selbst zusieht, wenn ich mein gegenw\u00e4rtiges Denken beobachten wollte. Das kann ich nicht. Ich kann das nur in zwei getrennten Akten ausf\u00fchren. Das Denken, das beobachtet werden soll, ist <b style=\"\"><span style=\"font-weight: bold;\">nie<\/span><\/b> das dabei in T\u00e4tigkeit befindliche, sondern ein anderes.\u201c [fett:UW]<o_p><\/o_p><\/font><\/span><\/font><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><font size=\"3\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><font face=\"Verdana\">Wir sehen also, dass wir zu unterscheiden haben zwischen der Beobachtung des Denkens und seiner Erfahrung und die Beobachtung des Denkens in der denkenden Durchdringung, der denkenden Betrachtung von Denkerfahrungen besteht, in dem Aufbau eines Begriffs vom Denken. Das Denken wird <b style=\"\"><span style=\"font-weight: bold;\">aktual erfahren, erlebt<\/span><\/b> und <b style=\"\"><span style=\"font-weight: bold;\">im Nachhinein beobachtet<\/span><\/b>. Die Erfahrung des Denkens ist unser Drinnenstehen im Denken, unser T\u00e4tigkeitsbewu\u00dftsein vom Denken (5). Wir sind alle schon immer Begriffsk\u00fcnstler und hervorragende Logiker, verwenden Begriffe und auch logische Gesetze mit gro\u00dfer Sicherheit, ohne dass wir die geringste Ahnung h\u00e4tten, was ein Begriff oder ein logisches Gesetz ist und auch nur ein Gesetz nennen k\u00f6nnten, dazu bedarf es eben der Beobachtung des Denkens. Die aktualen Erfahrungen des Denkens sind immer reine Erfahrungen, nicht schon mit Begriffen durchdrungen oder erkannt, da die aktuale Beobachtung des Denkens ja nicht m\u00f6glich ist. Es ist somit, wenn man so will, kein Nachteil, dass das aktuale Denken nicht beobachtbar ist, sondern dies ist geradezu der Garant f\u00fcr die Erkennbarkeit des Denkens, denn wir haben zwischen dem, was in der Wahrnehmung, dem Gegebenen vorliegt und der Theorie dar\u00fcber eine nat\u00fcrliche Grenze, die prinzipiell nicht \u00fcberschreitbar ist und k\u00f6nnen es somit nicht verf\u00e4lschen, was bei der \u00fcbrigen Wahrnehmung nicht der Fall ist (6). Was wir bis hierhin erfahren haben, ist ein Erlebnis der Selbsterkl\u00e4rung des Denkens, denn auch das beobachtende Denken wird selbstverst\u00e4ndlich erlebt. <o_p><\/o_p><\/font><\/span><\/font><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><font size=\"3\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><font face=\"Verdana\">Muschalle setzt sich mit zahlreichen anthroposophischen Autoren auseinander, wobei Herbert Witzenmann eine besondere Rolle zukommt. Dies nicht nur, weil er ein herausragender Interpret von Steiners Werk ist, sondern auch, weil seine Ergebnisse h\u00e4ufig ungepr\u00fcft \u00fcbernommen werden. Sowohl das Spaltungsargument als auch Steiners Unterscheidung von Beobachtung des Denkens und Erfahrung des Denkens entgeht, wie es auch bei anderen Autoren der Fall ist, seiner Aufmerksamkeit. Dementsprechend sucht er die reine Wahrnehmung auch ausschlie\u00dflich auf der Seite des Nicht-Gedanklichen. Die Erfahrungen des Denkens fallen bei ihm unter den Tisch. Dadurch f\u00e4llt er in ein Konstrukt von Denkgebilden, das nicht mehr an der Erfahrung orientiert ist. Sofern man seine erkenntniswissenschaftlichen Schriften als eine Fortsetzung von Steiners ansieht, raubt er damit diesen das Fundament der Erfahrung. <o_p><\/o_p><\/font><\/span><\/font><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><font size=\"3\" face=\"Verdana\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><o_p>&nbsp;<\/o_p><\/span><\/font><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><font size=\"3\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><font face=\"Verdana\">(1) <\/font><a href=\"http:\/\/www.studienzuranthroposophie.de\/\"><font face=\"Verdana\">www.studienzuranthroposophie.de<\/font><\/a><font face=\"Verdana\"> <o_p><\/o_p><\/font><\/span><\/font><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><font size=\"3\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><font face=\"Verdana\">(2) Die Dissertation ist unter der in (1) angegebenen Adresse erreichbar.<o_p><\/o_p><\/font><\/span><\/font><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><font size=\"3\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><font face=\"Verdana\">(3) Die Philosophie der Freiheit, GA 4, 3. Kapitel<o_p><\/o_p><\/font><\/span><\/font><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><font size=\"3\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><font face=\"Verdana\">(4) Das betrifft auch Muschalles Dissertation.<o_p><\/o_p><\/font><\/span><\/font><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><font size=\"3\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><font face=\"Verdana\">(5) Wenn der Faden des Denkens abrei\u00dft, wird das Gegenteil davon erlebt.<o_p><\/o_p><\/font><\/span><\/font><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><font size=\"3\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><font face=\"Verdana\">(6) Dies ist interessant im Hinblick auf das Basissatzproblem etwa bei Carnap, Popper und Kuhn.<o_p><\/o_p><\/font><\/span><\/font><\/p>\n<p><\/o_p><\/span><\/font><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchbesprechung (ver\u00f6ffentlicht in &#8222;Das Goetheanum&#8220; Nr. 10, 2008 &#8222;Das Denken erfahren &#8211; beobachten&#8220;) Michael Muschalle: Studien zur Anthroposophie Bd. 1. 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